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28.11.2018, Hoyerswerda

Moderne Behandlungsmethode am Lausitzer Seenland Klinikum

Herpesvirus bekämpft Hautkrebs

Chefarzt Dr. med. Kim Christian Heronimus lokalisiert die geeignete Injektionsstelle per Ultraschall. Foto: Gernot Menzel

Mit einem gentechnisch veränderten Herpesvirus behandelt Chefarzt Dr. med. Kim Christian Heronimus am Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda das maligne Melanom. Neben den beiden Universitätskliniken in Leipzig und Dresden bietet in der Region nur die Hautklinik in Hoyerswerda diese Therapie an.

Dr. Heronimus, Sie sind Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Lausitzer Seenland Klinikum. Die Überschrift klingt ein bisschen nach Sciencefiction. Sind wir schon in der Zukunft angekommen?

Wenn man die Entwicklung der letzten zehn Jahre betrachtet, schon. Damals betrug die Prognose für das Überleben nach einer Chemotherapie meist nur wenige Monate. Inzwischen hat sich auf dem Gebiet der Hautkrebsbehandlung und insbesondere beim schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) aber vieles getan und es gibt verschiedene Therapien, mit denen die Patienten mehrere Jahre und ohne Metastasen bei sehr guter Lebensqualität leben.

Seit wenigen Wochen ist nun auch in Hoyerswerda eine ganz neue Behandlungsmethode hinzugekommen…

Ja, die neue Therapieform beruht auf einem gentechnisch modifizierten, krebsauflösenden Virus, der in Tochtergeschwülste, also Metastasen, injiziert wird und dort sowohl lokal als auch an anderen Stellen im Körper wirkt.

Und dieser Virus greift nur die Krebszellen an?

Das Virus wirkt hier wie eine Art trojanisches Pferd. Der gentechnisch modifizierte Virus ist ein Herpesvirus, der normalerweise in fast jedem Menschen vorkommt. Dieser Virus wird also vom Immunsystem ganz normal erkannt, schleust dabei jedoch die Informationen für die Tumorbekämpfung mit ein. Dies führt zur Zerstörung der mit dem Virus infizierten Tumorzellen.

Gibt es dabei auch Risiken?

Da es sich um einen Herpesvirus handelt, kann sich während der Behandlung ein Lippenherpes oder eine Herpesinfektion an der Haut entwickeln. In sehr seltenen Fällen kann es auch zu einer schweren generalisierten Herpesinfektion, einer Entzündung der Gehirnhäute oder des Gehirns kommen. Symptome können dementsprechend Schmerzen, ein Brennen oder Kribbeln oder Bläschenbildung sein. Auch Augenschmerzen, Fieber mit Kopfschmerzen, Erbrechen oder epileptische Anfälle können in Einzelfällen auftreten. Trotz der Veränderungen am Herpesvirus ist es jedoch weiterhin empfindlich auf die bekannten und gut wirksamen Medikamente, die eine schnelle und wirksame Kontrolle ermöglichen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Behandlung findet nach der Erstgabe im Abstand von drei Wochen dann alle zwei Wochen durch Injektion in einzelne Tochtergeschwülste statt, dies erfolgt meistens durch eine ultraschallgestützte Kontrolle. Die Behandlung kann sich dabei insgesamt über mehr als 6 Monate hinziehen.

Warum wird die Therapie nicht an allen Hautkliniken angeboten?

Da es sich hier wie erwähnt um ein gentechnisch verändertes Virus handelt, sind hohe Anforderungen an den verabreichenden Arzt und die jeweilige Apotheke zu stellen. Eine ausgiebige Schulung ist für die Ärzte und Apotheker erforderlich. Während der gesamten Logistik muss sichergestellt werden können, dass weder Behandler noch Patient oder dessen Angehörige gefährdet werden, oder das Virus unkontrolliert in Umlauf gebracht wird.

Wie ich zu Beginn meiner Arbeit in Hoyerswerda gesagt habe, ist mir die modernste Behandlung von Hautkrebs vor Ort für die Patienten der Region ein besonderes Anliegen. Ich bin sehr froh und auch ein wenig stolz, dass wir jetzt am Lausitzer Seenland Klinikum Hoyerswerda alle Hautkrebstherapien auf universitärem Niveau anbieten können.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Gernot Schweitzer
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